Johann Bernoullis LösungDie Namensgebung dieser Aufgabe wurde zwischen Johann Bernoulli und Leibniz in einem Briefwechsel vom Juli 1696 diskutiert. Johann gab der gesuchten Kurve den Namen Brachistochrone (zusammengesetzt aus: brachistos = kürzest und chronos = Zeit), Leibniz schlug dagegen Tachystoptote (zusammengesetzt aus: tachystos = schnellster und piptein = fallen) vor. Johann war bereit, den Namen zu ändern, Leibniz bestand aber nicht darauf. Bei seiner Lösung betrachtet Johann Bernoulli gleichzeitig die optische und die dazu äquivalente mechanische Problemstellung. Seine Überlegungen beginnt er folgendermaßen:
Anstelle des Lichtstrahls auf seinem Weg durch ein Medium kann man auch einen fallenden Körper im Gravitationsfeld betrachten, wobei die Dichte des gewählten Mediums umgekehrt proportional der Fallgeschwindigkeit sein muß. Johann Bernoulli zerlegt also die Fallebene in infinitesimal dünne horizontale Schichten. Die gesuchte Kurve wird somit zunächst durch einen infinitesimalen Polygonzug ersetzt. Die Durchquerung der Schichten geschieht jeweils mit konstanter Geschwindigkeit. Nach dem Energieerhaltungssatz (Ekin = Epot) ergibt sich für deren Betrag Wir diskutieren zunächst den Übergang zwischen zwei Schichten. Dieser Übergang zwischen zwei Medien verschiedener optischer Dichte wird durch das Snelliussche Brechungsgesetz (Willibrord Snell van Royen (1591 - 1626)) charakterisiert:
Damit gilt: Natürlich ist dieses Brechungsgesetz auch für mehrere Medienwechsel gültig. Es folgt: Der Winkel
Die Geschwindigkeit v wächst in Abhängigkeit vom Fallweg des Körpers (genauer
von dessen Komponente senkrecht zur Erdoberfläche). Wegen cos(
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Im folgenden Applet kann mit Hilfe der Scrollleiste die Anzahl der Polygonzüge verändert werden.
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Da sich die Geschwindigkeit v ständig ändert, gehen wir von beliebig vielen Medien mit beliebig
nahen Trenngeraden aus. Der Polygonzug geht in eine Kurve, die gesuchte Brachistochrone über, deren aktueller
Winkel
Wegen folgt
mit Ferner gilt: Durch Quadrieren und Gleichsetzen erhalten wir: bzw. Diese Differentialgleichung war Johann Bernoulli bekannt. Ihre Lösung ergibt die Zykloide mit der Parameterdarstellung: Wir erhalten also als Ergebnis: Die Brachistochrone hat die Form eines Zykloidenbogens.
Eine Zykloide ergibt sich als Bahnkurve eines Kreispunktes beim Abrollen eines Kreises mit Radius k / 2 auf einer Geraden, und zwar desjenigen Kreispunktes, der im Ursprung der Berührpunkt war. Anschaulich gesprochen bewegt sich ein Punkt auf dem Reifen eines Fahrrads (näherungsweise das Ventil) auf einer Zykloide. Die Konstante k / 2 in ( * ) muß noch so angepaßt werden, daß die Zykloide durch den Endpunkt B ( xB, yB ) verläuft. |