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Anhand der von uns erarbeiteten Eigenschaften können wir die
Schielwinkelkurven klassifizieren.
Zunächst wollen wir festhalten, daß wir uns bei der Einteilung
der Schielwinkelkurven auf spitze Schielwinkel ( ) beschränken können. Zum einen
sind spitze Schielwinkel für eine wirkliche Verfolgung
unerläßlich und zum anderen bedeutet dies auch geometrisch keine
wesentliche Einschränkung: Im Falle einer stumpfwinkligen
Schielwinkelverfolgung wirkt sich eine Umkehr des Bewegungssinns
beider Akteure bei gleichzeitiger Reduktion des stumpfen
Schielwinkels um auf einen spitzen Winkel nicht
auf die Gestalt der Schielwinkelkurve aus. Diese Invarianz der
Verfolgerkurve können wir anhand des folgenden Applets gut
nachvollziehen.
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| | Applet: Invarianz der
Verfolgerkurve bei Bewegungsumkehr und Winkelreduktion um
180° |
Auch den eingangs bereits gelösten
trivialen Grenzfall
wollen wir bei der Klasseneinteilung unberücksichtigt lassen.
Wunderlich schlägt als erstes Einteilungskriterium das
Geschwindigkeitsverhältnis (>0) vor, wobei er
allerdings den Spezialfall der Schielwinkelkurve mit rechtem
Schielwinkel gesondert betrachtet. [11, S. 287] Auf
diese Weise ergeben sich vorläufig folgende vier Hauptkategorien:
- 1.
, < : Treffer.
Das Ziel ist dem Verfolger an Geschwindigkeit unterlegen, weshalb
das Ziel im Endlichen eingeholt wird. Es ergeben sich Ellipsen als
Isochronen.
- 2.
, < : Nachläufer.
Das Ziel ist dem Verfolger ebenbürtig, weshalb es erst im
Unendlichen eingeholt wird. Es ergeben sich Parabeln als
Isochronen.
- 3.
, < : Flüchter.
Der Verfolger ist dem Ziel an Geschwindigkeit unterlegen, weshalb
er sich ab einem bestimmten Zeitpunkt immer mehr von diesem
entfernt und es folglich nie erreicht. Es ergeben sich Hyperbeln
als Isochronen.
- 4.
= : Querläufer.
Der Verfolger hat keine Aussicht, das Ziel zu erreichen, da er sich
stets quer zur Visierlinie bewegt.
Als zweites Einteilungskriterium führt Wunderlich das
Realitätsverhältnis der Berührungspunkte U und V der
Trägerfläche K mit dem Böschungsfernkreis d an. Da sich diese
Doppelberührung in der Berührung des Basiskegelschnitts k[c]
mit dem Distanzkreis d[c] in den Punkten U[c] und V[c]
widerspiegelt, gibt uns die Lage des Berührungspols W[c] in
Bezug auf d[c] Aufschluß über dieses Verhältnis.
| | | Applet: Realitätsverhältnis der
Berührungspunkte. |
Wir erhalten also als Realitätsverhältnis:
![\begin{displaymath}
O'W[c]:O'O = \frac{O'Q(0)}{\sin \sigma} : O'O = \frac{\frac{u}{v}}{\sin \sigma} = \frac{\epsilon}{\sin \sigma} \: . \end{displaymath}](img115.gif)
Gemäß üblichem Sprachgebrauch können wir somit nach
Wunderlich folgende zweite Einteilung der Schielwinkelkurven
vornehmen:
- a)
:Hyperbolischer Fall.
U und V sind reell-getrennt.
- b)
:Parabolischer Fall.
U und V sind zusammengerückt.
- c)
:Elliptischer Fall.
U und V sind konjugiert-imaginär.
Die Kombination der beiden obigen Einteilungskriterien liefert uns
schließlich folgende acht reellen Klassen von
Schielwinkelkurven:
- 1a)
- Hyperbolischer Treffer.
- 1b)
- Parabolischer Treffer.
- 1c)
- Elliptischer Treffer.
- 2a)
- Nachläufer (schlechtweg).
- 3a)
- Flüchter.
- 4a)
- Hyperbolischer Querläufer.
- 4b)
- Parabolischer Querläufer (entspricht der Kombination 2b).
- 4c)
- Elliptischer Querläufer.
Diese Klasseneinteilung kann natürlich auch auf die Relativbahnen
der Verfolger im Zielsystem ausgedehnt werden.
Jede der angegebenen Klassen bedarf nun rechnerisch einer
unterschiedlichen Behandlung. Da der Sinn der vorliegenden
Abhandlung aber nicht in einer erschöpfenden Diskussion der
verschiedenen Schielwinkelgleichungen gesehen werden darf, sondern
vielmehr dem Betrachter den von Wunderlich dargestellten
geometrischen Zugang plastisch näherbringen soll, werden wir im
folgenden nur den in der Anwendung wichtigsten Fall des
Hyperbolischen Treffers rechnerisch auswerten.
Die Diskussion der übrigen Schielwinkelgleichungen möge der
interessierte Leser selbst bei Wunderlich nachlesen. [11, S.
293 ff.]
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