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Performances in Bayreuth
Kleines Haus der Stadthalle
27/29/31 March & 3 April 2006
Performances start 7 p.m.
Admission free donations welcome

The Hollow

Kann man ein Stück nach neun Jahren noch einmal inszenieren und dabei etwas fundamental Neues präsentieren? Wir meinen schon.

1996 meinten wir, The Hollow sei ein typisch englischer Landhauskrimi mit einem sogenannten "Crossword Puzzle", d.h. es ging vor allem darum, herauszufinden, wer es war. Wir ahnten allerdings damals schon, dass hinter diesem so simpel scheinenden Plot noch mehr steckte. Schon im Programmheft argumentierten wir, The Hollow sei auch eine Gesellschaftskomödie und ein großes Melodram aus der Zeit um 1950, als es Agatha Christie darum ging, ihre Zeitgenossen zu beruhigen, indem sie eine englische Familie zeigte, die in Krisenzeiten zusammenhielt und überlebte.

2006 meinen wir, dass The Hollow mehr ist. The Hollow markiert Agatha Christies Versuch, sich über das reine Crossword Puzzle, mit dem sie so viel Erfolg gehabt hatte, hinaus zu entwickeln, weil es unmodern und altbacken wirkte. Der zeitgenössische Geschmack verlangte nach einem psychologischen Krimi, der runde Charaktere statt bloßer Typen erforderte und eher die Suche nach einem überzeugenden Motiv statt bloß nach dem Täter. Dieser Versuch ist umso interessanter, als er Agatha Christie nur zum Teil gelungen ist. Der Roman The Hollow ist dabei sicherlich überzeugender als das Theaterstück, das sie daraus machte. Das Stück leidet ganz offensichtlich vor allem darunter, dass sie den Detektiv Hercule Poirot durch einen relativ nichtssagenden Inspector ersetzte, dem sie noch nicht einmal die Ehre zuteil werden ließ, den Fall selbst aufzuklären.

1936. Der ehemalige Kolonial-General Sir Henry Angkatell und seine verschrobene Frau Lady Lucy laden zu einer Wochenendparty auf ihren Landsitz The Hollow außerhalb von London ein. Er ist ein Waffennarr, während sie durch ihre Gedankensprünge, ihre Geistesabwesenheit und ihre Obsession wegen des FamilienstammWas neun Jahre später auffällt sind die vielen pathologischen Charaktere in dem Stück, was auf die Dekadenz der englischen Oberschicht verweist, deren einzige Chance darin gesehen wird, sich mehr mit anderen, arbeitenden Schichten zu vermischen, wenn das Alte und Bewährte in irgendeiner Form bewahrt werden soll. Diese pathologischen Züge klarer herauszuarbeiten und dem Inspector eine vernünftigere Gewichtung zu geben, waren zwei der Hauptziele der Neuinszenierung. Dem diente auch die Umbenennung des Inspectors von Colquhoon in den aus den Miss Marple-Krimis bekannteren Inspector Craddock. Am Stück selbst wurde dabei kaum etwas geändert - es wurden nur andere Akzente gesetzt und verschoben, und das ergibt schon fast ein neues Stück.sitzes alle zur Verzweiflung treibt. Sie denkt eigentlich nur an Ainswick, den Familiensitz, auf dem sie aufwuchs, dessen Gemälde in ihrem Wohnzimmer prangt, und der jetzt ihrem Kusin Edward Angkatell gehört. Da Edward schüchtern, verklemmt, zurückhaltend und ungesellig ist, fürchtet sie nicht ganz unbegründet, dass der Besitz eines Tages in fremden Händen landen könnte. Also versucht sie alles, um Edward zu verkuppeln, und zwar bevorzugt mit seiner Kusine Henrietta Angkatell. Henrietta ist eine erfolgreiche Künstlerin und natürlich aus der Oberschicht, außerdem mag Edward, der ansonsten eher pathologisch zurückhaltend ist, sie durchaus. Er macht ihr ungefähr alljährlich einen Heiratsantrag, den sie ebenso regelmäßig ablehnt. Henrietta packt nämlich ihre gesamte Persönlichkeit in ihr künstlerisches Schaffen und verleugnet ihren eigenen Charakter ansonsten fast vollständig. Sie versucht, es jedem Recht zu machen, hört jedem zu und hat für jeden ein nettes Wort - bis zur Selbstaufgabe. Und Edward bemerkt derweilen nicht, dass die jüngere Kusine Midge Harvey ihn abgöttisch liebt. Midge Harvey ist dabei nicht nur das Küken der Familie, sondern auch ein wenig das Schwarze Schaf. Ihre Mutter heiratete einen nicht standesgemäßgen Geschäftsmann und Midge weigert sich, von der Familie finanzielle Unterstützung anzunehmen, sondern verdient ihr Geld selbst in einem Londoner Bekleidungsgeschäft. Sie ist stolz und das einzige Familienmitglied, das zur arbeitenden Klasse gehört.

Wie um alles zu komplizieren, hat Lady Lucy die Christows zum Wochenende eingeladen, Freunde der Familie. John Christow ist ein erfahrener und erfolgreicher Arzt und Frauenheld aus London, der mit seinem Leben unzufrieden ist. Er scheint in einer Art Midlife-Crisis zu stecken, die er durch eine heftige Affäre mit Henrietta Angkatell zu lindern sucht. Seine geistig geradezu minderbemittelte Ehefrau Gerda Christow bemerkt davon nichts und tut alles, um ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Sie sieht in Henrietta ihre beste und einzige Freundin, und vermutlich hat sie sogar Recht damit, denn auch ihr will Henrietta es recht machen. Doch als die Bewohnerin eines benachbarten Cottage, die Hollywood-Diva Veronica Craye, auftaucht und sich herausstellt, dass sie eine Frau aus John Christows Vergangenheit ist, die alte Rechte auf ihn wieder geltend machen will, spitzt sich die ganze Angelegenheit zu. John Christow schleicht sich zu einem One-Night-Stand zu ihr, bereut diesen aber am nächsten Morgen schon.

Wer auch immer ihm sein Verhalten übel nahm, kurz nach dem Frühstück ist er bereits tot, und seine Frau Gerda steht mit einem Revolver in der Hand neben der Leiche. Chief Inspector Craddock von Scotland Yard hat einen neuen Fall.

Aufführungstermine:

In Bayreuth im Kleinen Haus der Stadthalle
27.03.2006
29.03.2006
31.03.2006
03.04.2006

In Nürnberg am Willstätter-Gymnasium
05.04.2006

In Fürth am Helene-Lange-Gymnasium
26.04.2006

Karten für die Bayreuther Aufführungen können ab Mitte Februar vorbestellt werden (0921/759830). Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Hans-Dieter Scholz

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