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the fringe
proudly present
Sidney Grundy’s

The New Woman

"Ladies and gentlemen, good evening. Sidney Grundy's play about the new woman has not been performed for more than one hundred years because when he wrote it, he took a very clear position against the emancipation of women. We decided to awaken it from its century long sleep because we think it funny, and because we believe that women today are emancipated enough to laugh about a time when they were not allowed to be so. So we would like to take you on a trip through 110 years of female emancipation. We hope you will enjoy the show, and when you have enjoyed it, give freely afterwards."
(Begrüßungsworte des Regisseurs bei den Aufführungen)

(Andreas Zahn und Katharina Lopatin in der Premiere)

 

Sidney Grundy ist ein zu Unrecht vergessener Autor, von dem es einem nicht einmal im Internet gelingt, ein Bild aufzutreiben. In dem Jahrzehnt vor und nach 1900 war er einer der erfolgreichsten englischen Bühnenautoren, der jedes Jahr einen Hit landete und im Gegensatz zur relativ kurzen Episode eines Oscar Wilde beim Publikum beliebt blieb. Dennoch muss man zugeben, dass die meisten seiner Stücke Gebrauchsstücke waren, die zeitgenössische Themen aufgriffen, persiflierten und karikierten, und die deshalb keinen dauerhaften Eindruck auf den Bühnen hinterlassen haben. Allein The New Woman ragt allein schon wegen seines Titels, der zum geflügelten Wort für die emanzipierte Frau um 1900 wurde, aus diesem vergessenen Werk heraus.

The New Woman ist mindestens 100 Jahre nicht gespielt worden, ja es galt als unspielbar, denn schließlich schrieb Grundy es als Pamphlet gegen die Emanzipation der Frauen, über die er sich damals erfolgreich lustig machte. Die new women in seinem Stück sind samt und sonders Karikaturen und Witzfiguren, die die Emanzipation ordentlich übertreiben. Alle Damen in dem Stück theoretisieren wild drauf los, wie Männer und Frauen sein sollten, was Liebe bedeutet, und welche Rechte Frauen erringen, bzw. welche Rechte den Männern aberkannt werden sollten, damit die Gleichberechtigung hergestellt werden kann. Sollten auch Frauen einen eigenen Haustürschlüssel bekommen? Damals war das eine große Frage. Sollten Frauen Nachts lange allein ausgehen dürfen? Darf eine Frau einen Mann allein in ihrer Wohnung empfangen? Dürfen auch Frauen rauchen? Und sogar: welche medizinischen Eingriffe wären nötig, damit auch Männer Kinder bekommen können? Manches davon erscheint heute überholt, aber wenn man an das aktuelle Buch von Eva Hermann denkt, dann treibt das Thema der Rollenverteilung doch wohl noch recht viele Leute um.

Wäre dies alles, was Sidney Grundy zu bieten hat, wäre er zu Recht vergessen und nicht gespielt. Betrachtet man sich aber die Männerrollen, die er als prächtige Machotypen seiner Zeit präsentiert, so wirken diese heute auf uns mindestens so lachhaft wie seine karikierten Emanzen. Damit ist die Gleichberechtigung zumindest auf dem Gebiet der Persiflage wieder hergestellt.

Und dies ist natürlich nicht alles. Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter dient ihm lediglich als Hintergrund für eine zeitlose Romanze: Junge aus reichem Hause trifft einfaches Mädchen vom Lande und verliebt sich in sie – sehr zum Ärger seiner klassenbewussten Familie. Aber auch seine emanzipierten Freundinnen sind empört, weil das Mädchen eben nicht emanzipiert ist und auch nicht emanzipiert sein will. Und so kommt es zu vielen Schwierigkeiten, bis die beiden glücklich sein können, weil sie erkennen, dass wahre Liebe nicht nur die Rollenfrage obsolet macht, weil in einer glücklichen Beziehung beide Partner nur gleichberechtigt sein können, sondern auch, weil sie unabhängig von der Klassenzugehörigkeit ist. Dies ist eine zeitlose Botschaft.

The fringe plaziert diese Komödie im Londoner Theatre Museum von heute. Zwei emanzipierte Managerinnen dieses Museums werden über Nacht versehentlich eingeschlossen und begegnen im Traum Sidney Grundy. Sie versuchen, ihn von der Richtigkeit modener Emanzipation zu überzeugen und gehen mit ihm durch sein eigenes Stück, allerdings nähern sie sich in jedem Akt der eigenen Gegenwart immer mehr an, bis im letzten Akt sein Stück im Jahre 2007 angekommen ist. Andreas Romeike hat sich dafür ein aufwändiges Bühnenbild erdacht, das als Facharbeit im Fach Kunst erstellt wurde, und die Gruppe wird einen großen Aufwand an Kostümen treiben, um die Zeitreise durch die Jahre 1897, 1937, 1967 und 2007 zu verdeutlichen. Darüber hinaus wird es zur Unterstreichung des Revue-Charakters eine Gesangseinlage geben.

 

Aufführungsfotos

Anselm Dannecker als Schwerenöter Colonel Cazenove, der entsetzt ist, dass sein intelligenter Neffe Gerald (Andreas Zahn) sich für die Frauenbewegung engagiert. In der Parallelbesetzung wurden die Rollen von Ian Köhler und Andreas Romeike gespielt.

 

Gerald schreibt ein hochphilosophisches Buch über die Ethik der Ehe zusammen mit der emanzipationsbewegten Mrs Agnes Sylvester (Marlene Münzel), die nicht fassen kann, dass er sich während eines Landaufenthalts in das Dienstmädchen seiner Tante verliebt hat, das weder emanzipiert, noch gebildet, noch von Stande ist. In der Parallelbesetzung spielt Lena Schmidt die eifersüchtige und insgeheim in Gerald verliebte Agnes. Das grüne Kleid wurde ebenso wie das rote Kleid von Lady Wargrave von Frau Dr Scholz speziell für die Produktion geschneidert.

 

Als Lady Wargrave (Kira Sesselmann in Rot) ihren Neffen besucht, der finanziell von ihren Zuwendungen abhängig ist, ist sie genauso geschockt von seinem Umgang mit Emanzen wie sein Onkel, doch als sie von seiner Liebe zu ihrem Dienstmädchen Magery (Katharina Lopatin) erfährt, ist der Schock noch größer. In der Parallelbesetzung (unten) spielte Julia Herz Lady Wargrave und Romina Heinrich die eher schüchterne Margery.

Gerald überzeugt Margery trotzdem, dass es richtig ist, zu heiraten, denn schließlich liebt er sie über alles, und auch sie liebt ihn.

(Katharina Lopatin als Margery)

 

(Romina Heinrich mit Emanuel Kästle als Captain Sylvester, der hohlköpfige Ehemann von Mrs Sylvester.)

Das Umfeld ihres Mannes nimmt Margery teils belustigt, teils belehrend auf; nicht so jedoch Mrs Sylvester. Sie hintertreibt die Ehe und versucht, sie zu sabotieren, wo sie nur kann.

(links Laura Busert als Victoria Vivash und Anne Eisenhuth als Enid Bethune verführen Margery dazu, das Rauchen auszuprobieren - immerhin rauchen Männer ja auch. In der Parallelbesetzung unten v.l.n.r. Anne Eisenhuth, Romina Heinrich und Jacqueline Fulger.)

 

Vor allem wegen Mrs Sylvester gerät Margerys Ehe bald in die Krise, doch parallel dazu entspinnt sich eine zarte Romanze zwischen dem alten Colonel und der jungen Enid. Beim Blinde-Kuh-Spielen mit Margery küsst er Enid sogar - natürlich rein versehentlich.

 

Enid Bethune (Anne Eisenhuth), die zuvor nur Bücher wie "Man the Betrayer" schrieb, packt nun die Gelegenheit beim Schopfe, einen Mann zu heiraten, der zwar alt und ein Chauvinist ist, aber immerhin charmant und reich.

Auf einer Party von Lady Wargrave kommt es zum großen Showdown: Margerys Ehe zerbricht offenbar und Margery konfrontiert Mrs Sylvester. Doch zuvor hat Katharina Lopatin eine große Showeinlage in ihrer zweiten Rolle als Sandie Shaw, unterstützt von einem unterhaltsamen Männerballett.

(v.l.n.r. Kira Sesselmann, Anne Eisenhuth, Katharina Lopatin, Sergej Moor und Anselm Dannecker)

 

(v.l.n.r. Emanuel Kästle, Katharina Lopatin, Andreas Romeike und Christian Sturm als Oscar Wilde.)

 

Captain Sylvester (Sergej Moor) bricht mit seiner Frau Agnes (Marlene Münzel), weil er glaubt, sich auch in Margery verliebt zu haben, doch die will auch nichts mit ihm zu tun haben, sondern reist lieber ab - nach Hause zu ihrem Vater.

Zuvor allerdings sagt sie Mrs Sylvester noch, was sie von ihr hält. Im Hintergrund Jana Pittel als Filmstar Hedy Lamarr.

Lady Wargrave, Colonel Cazenove und Tweeny (Carina Hempfling) reisen Margery nach, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Hier gesteht der Colonel auch ängstlich seiner Schwester, dass er Enid heiraten will. In der Parallelbesetzung spielt Lilly Fleischmann die Tweeny.

Am Ende gibt es dann doch noch ein Happy End für alle, denn Gerald und Margery haben erkannt, dass Emanzipation egal ist, wenn ein Mann und eine Frau einander aufrichtig und verständnisvoll lieben.

(Andreas Romeike und Romina Heinrich als Gerald und Margery)

 

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