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Richard, too & much more Auch im März/April des Schuljahrs 2002/03 brachte die English Drama Group wieder ein englischsprachiges Stück auf die Bühne. Dieses Jahr war dies jedoch etwas ganz Besonderes, da Richard, too eine Weltpremiere, uraufgeführt im Kleinen Haus der Stadthalle, darstellte. Außerdem hatten wir die Ehre, in Bamberg im Audimax der Uni auftreten zu dürfen und im Willstätter-Gymnasium in Nürnberg. Geschrieben wurde das diesjährige Stück von William Shakespeare in freudiger „Zusammenarbeit“ mit Hans-Dieter Scholz, unserem Regisseur. Nach großen Zweifeln seinerseits und einiger Akteure erzielten wir dieses Jahr jedoch einen phänomenalen Erfolg, mit dem ein neuer Zuschauerrekord (über 1.300 Zuschauer) und höhere Spendeneinnahmen denn je verbunden waren. Da Richard, too wesentlich mehr Rollen aufzuweisen hatte als die Stücke der vergangenen Jahre, erforderte es eine nicht unwesentliche Vergrößerung der Truppe. Folglich stieg die Zahl unserer Mitglieder auf zeitweise 38 Mitglieder an. Dieses Jahr nahmen wir das erste Mal auch zwei Jungtalente aus der 7.Klasse auf (Marlene Münzel und Hanna Raithel), die schon in dem Mini-Stück Joy’s Pearls überzeugten, das frei nach der Vorlage im 6. Klasse-Englischbuch den Klasseneltern der 6e im Juli 2002 präsentiert wurde. Hierbei handelte es sich um eine nette Geschichte, basierend auf dem Diebstahl einer Perlenhalskette und einer damit verbundenen Intrige, die in vier verschiedenen Variationen ausgeführt wurde. Bei der Elternbeiratswahl am 24. Oktober 2002 hatte ein Teil derselben Gruppe sogar die Ehre auf der Bühne des Kleinen Hauses auftreten zu dürfen, wobei sie von einigen Mitgliedern der English Drama Group unterstützt wurden, was Belange wie Bühnenmake-up oder Umbauarbeiten anging.
Richard, too, ein Stück, das große Ansprüche an all seine Darsteller stellte, spielt im Jahr 1601 in England. Es geht hauptsächlich um den gescheiterten Versuch des Earl of Essex (Christian Eggert/Cedric Owens), die regierende Königin Elizabeth I. (Susanne Ruch/Lena Reischl) zu stürzen. Die nötige Unterstützung erhält er hierbei von seinem besten Freund, dem Earl of Southampton (May Brümmer) und seinem Freund Davies (Laura Thiele). Bei Essex' Auftreten merkt jeder jedoch, das er diese auch dringend nötig hat, da er leider nicht der Intelligenteste ist. Auf Rat seiner Freunde hin lässt er das Stück King Richard the Second von Shakespeare (Martin Riedel/Stephan Hauhs), der dem Earl of Southampton noch einen Gefallen schuldet, aufführen. Wichtig ist hierbei, dass Essex verlangt, eine Frau auf englischem Theaterboden ausgerechnet die Rolle des Königs spielen zu lassen, womit er sich über ein königliches Verbot hinwegsetzt. Da Southampton Shakespeares Schwäche für seine Ehefrau, die Countess of Southampton (Irina Medowaja), kennt, schickt er sie zu ihm, mit dem Auftrag, Shakespeare von Essex' Wünschen zu überzeugen, was ihr bravourös mit skrupellosem Körpereinsatz gelingt. Die Suche nach einem weiblichen Richard ist beendet, als Virginia Andreini, eine wunderschöne italienische Schaustellerin (Larisa Ring/Nadine Friedrich) in Shakespeares Theater tritt. Bei ihrer Vorstellung finden sofort der „Theaterchef" Burbage (Stefan Schreiber/Benjamin Schütze) und Shakespeare Gefallen an ihr. Die Schauspieltruppe, die schließlich auftritt, um Richard II zu spielen, ist gemischt aus den drei adligen Verschwörern und den Profis aus Richard Burbages Truppe.
Essex' Plan bleibt allerdings nicht unbemerkt. Lord Burghley (Kathrin Hoffmann/Anna Bednorz), die rechte Hand der Königin, erfährt von Essex' Vorhaben und installiert seine Männer im Theater. Außerdem nimmt die Königin selbst getarnt im Publikum Platz, während Burghley sich während des Stücks auf die Bühne wagt, nachdem die Illusion des Stücks durch mehrere Textänderungen auf Wunsch Southamptons und Essex' schon gestört wurde. Durch Burghleys Auftreten fällt der spielende Adel aus seinen Rollen, was das Stück Shakespeares völlig zusammenbrechen lässt. Es kommt zu einem erbitterten Kampf u.a. zwischen Burghley und Essex. Am Ende flieht Essex mit seinen Verschwörern. Nun tritt die Königin aus dem Publikum und zeigt sich in ihrer vollen Pracht. Das Stück neigt sich dem Ende zu: Shakespeare muss erkennen, dass eine Beziehung mit Virginia keinen Sinn hätte, da sowohl er als auch sie verheiratet sind. Essex muss seiner Ex-Geliebten, der Queen, bei einem Gespräch vor seiner Hinrichtung einiges erklären, was ihn aber auch nicht vor dem Tode rettet. So gibt es nur ein letztes Gespräch zwischen ihm und Lady Essex (Daniela Kawan/Silvana Pyritz), wonach er vom Executioner (Stefan Schreiber) abgeführt wird. Ein Page (Hanna Raithel) liest seine letzten Gedanken, die er in seiner Bibel notiert hatte, als Schlusswort vor. Er drückt darin seine Überzeugung aus, dass das Leben nicht umsonst und mit dem Tod keineswegs alles zu Ende ist. Er mag ein Idiot gewesen sein, aber er stirbt aufrecht, ehrenhaft, und im Glauben an die Auferstehung. Was das Stück außerdem sehenswert machte, waren die Verwandlungen von Frauen in Männer und Männern in Frauen, die vor allem von der weiblichen Seite oft beklagt wurden, letztendlich aber für das Spiel essentiell waren. Jedoch hörte man immer wieder Klagen über kratzende Bärte und den übelriechenden Bartkleber, was leider nicht zu vermeiden war. Damit die Verwandlung perfekt wurde, mussten aber auch noch Kostüme und Schminke her, wofür an dieser Stelle vor allem Frau Peda (Villa Kunterbunt) und Frau Friedrich gedankt werden muss, sowie Nadine Friedrich und ihrem Schmink- und Frisurenteam, bestehend aus Eva-Maria Götz, May Brümmer, Larisa Ring und Irina Medowaja. Auch unseren „Lichtmenschen", Markus Otto und Oliver Sticht sowie unserer Bühnenbildnerin Madlen Böhm (unter Mithilfe von Herrn Schöffel) gebührt Dank, sowie unseren Inspizientinnen Silvana Pyritz und Alice Riedel und unserer Souffleuse Andrea Dumler. Ohne die logistische Hilfe des Möbelhauses Becher wären die Umzüge ins Kleine Haus nicht zu schaffen gewesen, und unsere Gastspiele in Nürnberg und Bamberg wurden möglich gemacht durch unsere großzügigen Sponsoren, die die Fahrtkosten trugen (FAW Bamberg, Elternbeirat des Willstätter Gymnasiums, Bayerischer Philologenverband Sektion Mittelfranken). Wie immer gab es auch Probleme, die aber von einer Gruppe dieser Größe erstaunlich gut gelöst wurden. Insgesamt war es wieder ein Jahr voller Konflikte, Spannung, Spaß und Freude am Spiel, was wir nicht zuletzt unserem Regisseur und seinen Regieassistentinnen zu verdanken haben. Der Dank der gesamten Truppe gilt ihnen für die schöne Zeit während der Proben und Aufführungen. Aus dem Nordbayerischen Kurier vom 02.04.2003: Weitere Szenenfotos mit Kommentar "I'd like to present to you women playing men and men playing women, e.g. May Brümmer in the role of Henry Wriothesley Earl of Southampton."
(Sie hasste den Bart ebenso wie Regina Hörner, Anna Bednorz und Kathrin Hofmann. So richtig glücklich war Oliver Sticht über seine blonde Perücke aber auch nicht.)
Christian Eggert und Daniela Kawan als Lord und Lady Essex: Er hält sich für einen großen Helden, sie hält ihn für einen Esel und hält ihm immer wieder ihren toten ersten Ehemann vor, den größten Helden seiner Zeit: Sir Philip Sidney. Im Hintergrund steht die Countess of Southampton (Irina Medowaja), die ehemalige Geliebte Shakespeares (Martin Riedel), die ihn auch diesmal wieder verführt, so dass er sich auf ein gefährliches politisches Spiel einlässt.
Nur ihre alte Nurse (Eva Götz), die sie aufzog, weiß um alle ihre Geheimnisse, so z.B., dass die Countess wirklich Zuneigung zu Shakespeare empfindet und dass ihre Tochter eigentlich sein Kind ist.
Shakespeare ist allerdings alles andere als ein Kostverächter. So ist er sofort bereit, die Countess fallen zu lassen, als sich ihm ein neues Liebesabenteuer bietet - mit Virginia Andreini (hier Larisa Ring), der Star-Schauspielerin einer italienischen Wandertruppe.
Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Das Stück King Richard the Second wird auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gestellt, Virginia übernimmt die Rolle des Königs, der abgesetzt und ermordet wird, und der Earl of Essex übernimmt die Rolle des Aufsteigers Bullingbrook. Seine Textkenntnis treibt Shakespeare allerdings zur Verzweiflung. Einmal bricht er auf offener Bühne zusammen und Kempe (Regina Hörner) und Burbage (Stefan Schreiber) können ihn nur mühsam wieder aufrichten.
Dem Earl of Essex andererseits drückt man wegen seiner häufigen Vewechslungen mit Marlowe-Stücken ein Textbuch in die Hand. Er ist ohnehin kein guter Schauspieler. Hier richtet er (Cedric Owens) über die Günstlinge von König Richard II.
Die Geschichte König Richards ist schnell erzählt. Er war ein schlechter und korrupter König, und als er auf Feldzug in Irland war, nutzten seine unzufriedenen Adligen die Gelegenheit, sich zu erheben. Henry Bullingbrook, der Kusin des Königs, wurde ihr Anführer. Unter dem Vorwand, nur sein ihm zustehendes Erbe zu fordern, nahm er den König erst gefangen und zwang ihn dann zu Abdankung. Im Gefängnis schließlich wurde Richard von einem treuen Anhänger Bullingbrooks ermordet. Auf dem folgenden Bild spielt Larisa Ring den herzlosen König Richard mit Oliver Sticht als Königin Isabella an seiner Seite.
Eine Kernszene ist, als Richard (hier Nadine Friedrich) aus Irland zurückkehrt und erfahren muss, dass sein Königreich bereits in den Händen seiner Feinde ist.
Zentrale Szene des ganzen Stückes ist die Abdankungsszene. Essex/Bullingbrook will die Krone an sich reißen, doch jetzt fällt Virginia aus der Rolle und die Wachen der Königin werden den Rest besorgen: Der Putschversuch Essex' scheitert.
Schließlich erscheint die alternde Königin Elizabeth I. (Susanne Ruch) in goldenem Kleid und macht klar, dass sie sich zwar mit Richard identifiziert, der wie sie die Sonne als Symbol hatte ("I am Richard, too, know you not that?"), dass sie aber überlegen sein wird.
Essex findet sein Ende auf dem Richtblock. |