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The Taming of the Shrew

Eine Frau, die geistreich und witzig ist, die für sich selbst denken kann, die gut aussieht und eine reiche Mitgift bringt, ist die nicht eine tolle Partie? Sollte nicht jeder Mann sie heiraten wollen? the fringe ging der Frage am 7., 9. und 11. März 2005 im Kleinen Haus der Stadthalle in Bayreuth in drei ausverkauften Vorstellungen mit über 800 Zuschauern und am 6. April 2005 am Willstätter Gymnasium in Nürnberg nach.

Doch nicht jeder will, zumindest nicht Katherina Minola aus Padua, älteste Tochter des reichen Kaufmannes Baptista Minola, der seiner Frau versprach, seine jüngere Tochter Bianca erst zu verheiraten, nachdem er einen Ehemann für die Ältere, Katherina, gefunden hat. Damit begann der ganze Ärger, denn Katherina kann nicht nur denken, sie ist auch wählerisch und trotzig. Sie besieht sich die Männer, die ihr Vater ins Haus bringt, und dann vertreibt sie sie. Sie ist emanzipiert und will sich zu Nichts zwingen lassen, und schon gar nicht, nur damit ihre kleine Schwester einen ihrer vielen Verehrer heiraten kann.

All das wäre heutzutage in Mitteleuropa nur ein geringes Problem, doch Shakespeares Stück The Taming of the Shrew (Der Widerspenstigen Zähmung) spielt im Padua des 16. Jahrhunderts, wo Machos und andere Männer den Ton angeben und Frauen nur dazu da sind, hübsch auszusehen und Kinder zu bekommen. In solch einer Gesellschaft fällt eine emanzipierte „Hexe" auf wie ein bunter Hund, und ihr Vater hat aufgrund seines Versprechens ein ebenso großes Problem wie ihre Schwester Bianca und ihre mehr als heiratswilligen Verehrer.

Es hilft alles nichts - es muss ein Mann für Katherina her, finden Biancas Verehrer, die sich am laufenden Band vermehren: der alte reiche Lüstling Gremio schickt ihr teure Geschenke; der reiche Sangeskünstler Hortensio bringt ihr allabendlich ein Ständchen unter ihrem Fenster; und neu am Ort ist der Student und reiche Erbe Lucentio, der es dank seines Dieners faustdick hinter den Ohren hat. Ein Bewerber um die schöne und widerspenstige Katherina ist erstaunlich schnell gefunden, denn Petruchio, ein Freund des Hortensio, kommt aus Verona nach Padua, um sich just dort eine Frau zu suchen. Dabei kommt es ihm weniger auf Schönheit oder Jugend an, als vielmehr auf eine reiche Mitgift. Es braucht nicht viel Überredung, und schon ist er für Katherina, die reiche Erbin entflammt - sehr zu Freude aller außer Katherinas. Petruchio ercheint in ihrem Haus, begeistert ihren Vater, und konfrontiert sie mit der Tatsache, dass sie keine Wahl hat als ihn zu heiraten, denn es sei bereits alles ausgemacht und vertraglich festgelegt. Sie kreischt, sie faucht, sie tritt, sie schlägt ihn - er erträgt alles und hält sie fest, denn im Grunde findet er eine solche Frau viel reizvoller als jedes angepasste und damit langweilige Fräulein. Er will sie heiraten und zähmen, wobei Zähmen hier bedeutet, sie dazu zu bringen, dass sie ihm öffentlich nicht mehr widerspricht, während sie privat ebenbürtig sein darf und soll - eine unerhört revolutionäre Methode und Ansicht zu Shakespeares Zeiten.

Während Petruchio sich auf merkwürdigste Weisen abmüht, Katherina zu zähmen, schmieden Biancas Verehrer Komplotte, um an sie heranzukommen. Hortensio (Christian Eggert) verschafft sich Zutritt zu ihr, indem er sich als Musiklehrer ausgibt. Gremio (Raphael Buchcik) versucht, einen Fuß in die Tür zu bekommen, indem er einen Lateinlehrer als Boten missbraucht. Und Lucentio ist einfach nicht Lucentio. Lucentio (Florian Jacob und Andreas Romeike) hat nämlich mit seinem Diener Tranio (Oliver Sticht) die Rolle und die Kleidung getauscht und gibt sich jetzt als Lateinlehrer aus, der der schönen Bianca den Hof macht, während sein Diener Tranio in der Rolle des Lucentio offiziell um sie wirbt. Die schöne und reizvolle Bianca wiederum (Julia Herz und Lena Schmidt) kann sich sehr leicht entscheiden, wer ihr am besten gefällt - natürlich der stürmische und reiche Jüngling von außerhalb, der so unglaublich raffiniert ist und eine heimliche Hochzeit arrangiert. Wenn nur erst ihre zänkische Schwester aus dem Weg ist, ist auch für Bianca der Weg frei zum Glück in einer Ehe, in der dann sie die Hosen anhat, und sich nichts mehr gefallen lassen muss.

Am Ende steht ein Happy End für fast alle Beteiligten - nun, für manche mehr als für andere. Katherina und ihr Petruchio jedenfalls haben sich scheinbar gefunden, doch wie das eheliche Glück von Lucentio und Bianca, bzw. von Hortensio und seiner Schwarzen Witwe aussehen wird, darüber kann nur spekuliert werden.

The fringe plaziert diese Komödie inmitten einer italienischen Trattoria, die sich im Umzug befindet, und deren Mitarbeiter nach Feierabend Theater spielen. Ihr Spielleiter ist dabei eine frustrierte englische Architektin, die Ende der Fünfziger Jahre der Liebe wegen in Italien hängen blieb - Miss Quince (May Brümmer). Sie darf sich nun mit singenden Köchen, Schwarzen Witwen, liebeskranken Oberkellnern und einer ganzen Reihe Amateurschauspieler herumschlagen, während Rhythmen aus den frühen Sechziger Jahren das Szenenbild beherrschen.

Leider verabschieden sich fünf versierte und zuverlässige Schauspielerinnen und -spieler mit diesem Stück von der Theatergruppe, weil sie Abitur machen oder sich mehr auf dieses vorbereiten wollen. Die Gruppe wird Nadine Friedrich, Stephan Hauhs, May Brümmer, Raphael Buchcik und Eva Götz schmerzlich vermissen, wobei Nadine Friedrich und May Brümmer als langjährige Regieassistentinnen, Maskenbildnerinnen, Bühnenbildbauerinnen und Programmheftgestalterinnen besonders zentral für die Gruppe waren.

Text: Hans-Dieter Scholz

Fotos: Frank Büchner (Premierenfotos), Hans-Dieter Scholz, May Brümmer

 


(May Brümmer als Miss Quince zwischen dem Koch Bottom alias Christian Eggert und dem Oberkellner alias Stephan Hauhs)

 


(Stephan Hauhs macht als Petruchio Nadine Friedrich alias Katherina einen stürmischen Heiratsantrag.)

 


(Florian Jacob als Lucentio hat seine eigene Art und Weise, Bianca alias Lena Schmidt Latein beizubringen.)

 


(Petruchio erscheint betrunken und in merkwürdigem Outfit zu seiner Hochzeit. Unmittelbar nach der Trauung verschleppt er Katherina in sein Haus.)

 


(Dort erwartet sie ein rein weibliches Personal, das sich wundert, wie barsch der sonst so geliebte Herr plötzlich geworden ist.)

 


(Mit Schlaf- und Essensentzug wird Katherina ihr eigenes unmögliches Verhalten vor Augen geführt, bis sie einsieht, dass sie so nicht weiter kommt.)

 


(Am Ende ist sie sogar bereit, ihren Mann Petruchio auf offener Straße zu küssen - wäre da nicht der schelmische Diener Grumio alias Anselm Dannecker.)

 


(the fringe bei der Schlussverbeugung am 7. März 2005)

  
(Der Heiratsantrag in der Probe - mit Romina Heinrich als Katherina. Daneben Romina Heinrich noch als unscheinbare Kellnerin Maria, die sich dann erst in Katherina verwandelt.)

 

  
(Julia Herz - die zweite Besetzung der Bianca, rechts mit Christian Eggert als Hortensio.)

 


(Bianca beim Musikunterricht)

 


(Kira Sesselmann und Katharina Lopatin als die dumme Dienerin Biondella und die singende Witwe.)

 


(Die „schwarze" Witwe bereitet sich auf ihren Auftritt vor.)

 


(Olga Schweizer und May Brümmer: Olga Schweizer übernahm am 06.04.05 die Aufgaben des stage managers von Romina Heinrich, die neue Regieassistentin wurde.)

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