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Schulgeschichte

Flexibilität und Anpassung an die Erfordernisse der Zeit, so könnte das Motto einer Schulgeschichte des Graf-Münster-Gymnasiums lauten. Denn vielgestaltig wie seine heutigen Gebäude ist die Geschichte des Gymnasiums.

Gegründet wurde die Schule im Jahre 1833 aufgrund einer Bildungsinitiative des bayerischen Königs Ludwig I. als „Kreis-Landwirtschafts- und Gewerbeschule". Wie der Name schon sagt, war sie die erste und einzige Gewerbeschule des Kreises, d. h. des heutigen Regierungsbezirks Oberfranken. In dieser Schule sollten die Söhne der Handwerker und Kaufleute Oberfrankens das für ihren Beruf nötige allgemeine und theoretische Rüstzeug erwerben für den Fall, daß sie in die Fußstapfen ihrer gewerbetreibenden Väter treten sollten oder wollten, die nur die Volksschule absolviert hatten.

Der Bayreuther Stadtrat, der für die „Lokalität" der Schule zuständig war, sorgte zunächst für einen etwas finsteren Beginn: Der Schule wurden Räume im ersten Stock des Alten Rathauses am Marktplatz zugewiesen, im Hinterhaus, mit Fenstern zur Kämmereigasse hin.

1842 trat die Schule dann in ein besseres Licht und zog in ein Haus, das ihrem elitären Charakter eher angemessen war, in ein ehemaliges Adelspalais nämlich, das Künsberg-Palais (Friedrichstraße 18), das heute das Sozialgericht beherbergt und vielen älteren Bayreuthern noch als „Handelsschul" bekannt ist.

Hinter dieser noblen Fasade lehrten und lernten unsere Ahnen (1842 - 1910)

1864 erfolgte die Umbenennung in "Kreis-Gewerbsschule", 1872 wurde daraus einfach "Gewerbeschule", weil die Schule nicht mehr die einzige ihrer Art in Oberfranken war.

1877 mauserte sich die Schule zur sechsjährigen Realschule (so etwas gab es also schon einmal!), und in den Jahren 1907 bis 1909 wuchs sich die Schule zur Neunjährigkeit aus. Damit konnte man an ihr ab dem Jahre 1910 die höhere Reife, d. h. die Studierfähigkeit erwerben, und die Schule, die ab 1910 „Königliche Kreisoberrealschule für Oberfranken" hieß, war nun wieder die einzige ihrer Art im Regierungsbezirk.

Durch die Aufstockung war aber das Künsberg-Palais, das längst aus allen Nähten platzte, viel zu klein geworden. Die Stadt erwarb im Überschwang der Wirtschaftsblüte vor dem Ersten Weltkrieg ein großes Grundstück im Osten der Stadt, wo sich gerade, immerhin in zehn Minuten zu Fuß vom Zentrum aus erreichbar, die östliche Bebauungsgrenze der Stadt befand. Auf dem Platz übten bis dahin die bürgerlichen Schützen, was ihm seinen späteren Namen gab.

Der Bau selbst, der von 1908 bis 1910 entstand, ist in einem dezenten Neobarock gehalten. Vorbild war, wie an den beiden Querhäusern des heutigen Hauptgebäudes noch zu erkennen ist, das ehemalige Bayreuther Waisenhaus von 1732/3, in dem das „echte", das lateinische Gymnasium seit 1804 Unterschlupf gefunden hatte. Unter seiner Vormundschaft hatte die Gewerbeschule von 1838 bis 1865 gestanden, weil sein Rektor die Gewerbeschule nebenamtlich mitverwaltete.

Die Einweihung des großzügigen und modernen Schulgebäudes am 9. April 1910 fand in der Bayreuther Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit. Nachzulesen sind die Berichte des Bayreuther Tagblattes - zum Teil mit wörtlicher Wiedergabe der Reden - im Jahresbericht 1982/83 auf den Seiten 58 - 71.

In beiden Weltkriegen diente das neue Gebäude der Gewerbeschule als Lazarett - teilweise liefen Lazarett- und Schulbetrieb nebeneinander her.

In den Notzeiten der Zwischenkriegszeit war das Gebäude oft bis über die Kapazität hinaus genutzt, doch wurden keine größeren Baumaßnahmen durchgeführt. Einzig das Dachgeschoß wurde 1922 für die steigende Schülerzahl ausgebaut.

Am 16. Juli 1933 feierte man - wieder unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit - aufwendig und mit einem "Parkfest in der Eremitage" das hundertjährige Bestehen der Schule - natürlich im Zeichen der gerade laufenden Machtergreifung durch den Nationalsozialismus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Schule verstärkt im Zeichen pädagogischer Experimente und Veränderungen.

1949 - 1959 war eine "Knabenmittelschule" angegliedert, aus der die heutige Alexander-von-Humboldt-Realschule an der Bürgerreuth hervorging.

1949 wurde das erste pädagogische Seminar eingerichtet. Bis heute bildet die Schule junge Lehrer aus.

Trotz Belastung durch Raumnot, große Klassen und Schichtunterricht wurde 1951 - 1960 an der Schule das "Hohenschwangauer Modell"der Oberstufe getestet - ein für ungeeignet empfundenes Vorläufermodell der späteren Kollegstufe.

1962 konnte erstmals auf den Schichtunterricht verzichtet werden, doch waren Teile der Schule in die Grundschule Herzoghöhe ausgelagert.

1964 erhielt die Schule einen neusprachlichen Zweig mit Französisch als dritter Fremdsprache.

Im Rahmen der Umbenennung aller bayerischer „Höheren Lehranstalten" in Gymnasien im Jahre 1965 erhielt die Schule am 14.3.1966 den Namen „Graf-Münster-Gymnasium" Damit sollte nicht nur die naturwissenschaftliche Ausrichtung der Schule betont werden, sondern auch ein bedeutender Bayreuther Pionier der Paläontologe geehrt und sein Andenken wachgehalten werden.

Bilder des Schulpatrons, der von 1776 bis 1844 und seit 1806 in Bayreuth lebte, findet man im Direktoratsflur (Altbau, I. Stock) und im Lehrerzimmer. Im Jahresbericht 1994/95 sind Leben und Werk des großen Naturforschers in einem Aufsatz dargestellt. Auch der als Muschelkalkstein geschlagene stilisierte Saurier, der seit dem 19. September 1967 mitten im Pausenhof steht und ein beliebtes Turnobjekt unserer Jüngsten ist, soll an den Grafen und sein wissenschaftliches Werk erinnern.

Trotz starker - und wie man heute weiß - berechtigter Bedenken gerade der älteren Lehrer wurde 1976, einer in der ganzen Bundesrepublik vorherrschenden Mode folgend, die Kollegstufe eingeführt.

Der Ausbau des Bildungswesens nach dem Zweiten Weltkrieg erforderte auch einen Ausbau der Schule, der vor allem in den Jahren 1963 bis 1987 erfolgte. Zusätzlich wurde der Altbau saniert und innen erneuert:

Errichtung des Neubaus mit zunächst 15 Klassenzimmern (bezogen am 7.9.1965)

Errichtung der Schwimmhalle (erstmals benutzt am 20.1.1966)

Ausbau und Sanierung des Altbaus (September 1968 - Dezember 1971)

Einrichtung des Sportplatzes im Anschluß an den Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei (1970-72)

Bau der neuen Turnhalle (eingeweiht am 20. Oktober 1987). Gleichzeitig wurde der Neubau nach Nordosten um drei Klassen erweitert, um die neue Turnhalle an ihn anzuschließen.

Aufstockung des Chemietraktes (Einweihung am 26.6.1989): Die Heimat der Kollegstufe wurde vollendet.

Seit 1980 wird durch die Biologielehrer der Schulgarten Stück um Stück ausgebaut. Er ist ein beliebtes Pflanzfeld für unseres Fünft- und Sechstkläßler und ein erfolgreiches biologisches Versuchsfeld für Facharbeiten aus den Leistungskursen Biologie.

Doch auch im Inneren wandelt sich die Schule:

Die technische Entwicklung machte Neuerungen nötig, die teilweise vom Elternbeirat oder vom Verein der Freunde des GMG finanziert wurden:

1980/81 wurde erstmals ein Kopiergerät angeschafft, das sich schnell bewährte. Im Schuljahr 1983/84 wurden erstmals Computer für Schüler installiert. 1997/98 erfolgte er Zugang zum Internet.

Die Freizeitgesellschaft forderte ihren Tribut: 1981/82 wurde, vor allem auf Antrag der Eltern hin, die Fünftagewoche eingeführt.

Die zunehmende Internationalität führte nicht nur unsere Abiturfahrten zunehmend ins Ausland (Frankreich, Sorrent, Florenz, Rom, London), sie ermöglichte auch Partnerschaften mit Schulen im Ausland. So entstanden und vergingen Schüleraustausche mit Ayr/Schottland, Boiceville/USA, Nantes/Frankreich.

Derzeit bestehen Partnerschaften mit regelmäßigem Schüleraustausch mit Châteaubriant/Frankreich, Chichester/England und der University High School in Melbourne/Australien.

Zusätzlich arbeitet die Schule seit der Niederlegung des Eisernen Vorhangs mit dem einzigen Gymnasium in Karlsbad in immer neuen Formen zusammen. Die Anregung dazu kam von einer tschechischen Schülerin, deren hervorragendes Deutsch uns verblüffte.

Seit dem Schuljahr 1999/2000 führt die Schule auch einen Zweig des Europäischen Gymnasiums. Gemäß dem Schwerpunkt der Schule wurde der Typ II gewählt, der neben vertieften Kenntnissen in den Naturwissenschaften eine dritte Fremdsprache in der 10. Klasse vorsieht.

Letzte Aktualisierung am 3.2.2001 Helmut Beisbart
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