Englischunterricht
in der Grundschule Pegnitz
Seit dem Schuljahr 1995/96 wird an der Grundschule
Pegnitz Englisch als Fremdsprachenunterricht für die Schüler
der 3. und 4. Jahrgangsstufe erteilt. Der Englischunterricht ist mit 2
Wochenstunden Bestandteil des Pflichtunterrichts. Derzeit sind in der Grundschule
Pegnitz drei Lehrer dazu ausgebildet den Englischunterricht zu erteilen.
In Zukunft werden noch weitere Lehrkräfte eine entsprechende Ausbildung
absolvieren, so daß der Fremdsprachenunterricht nach Möglichkeit
vom Klassenlehrer erteilt werden kann. Die bisherige Erfahrung zeigt, daß
der Englischunterricht von den Schülern mit großer Begeisterung
aufgenommen wird und eine echte Bereicherung darstellt. Sehr wichtig ist
auch zu erwähnen, daß die Schülerleistungen nicht benotet
werden und nicht zur Selektion herangezogen werden. Dadurch begegnen alle
Kinder einer fremden Sprache und Kultur ohne Notendruck.
Fremdsprachen in der Grundschule:
Begründung - Ziele - Inhalte (Zusammengestellt
auf der Grundlage der "Handreichung für den Fremdsprachenunterricht
in der Grundschule", Herausgeber: ISB - Staatsinstitut für Schulpädagogik
und Bildungsforschung München,1995)
1. Begründung des Faches:
Unsere Kinder wachsen heute in einer ständig
verändernden Wirklichkeit auf. Sie werden mit Informationen über
Fremdes und Fremde durch die Medien überflutet. Die größere
Mobilität läßt Fremdes näher rücken, fordert
breitere Verständigungsmöglichkeiten und macht deshalb die frühe
Beschäftigung mit fremden Sprachen und Kulturen immer notwendiger.
Es soll eine positive Einstellung geweckt werden, die wiederum hilft, der
Ausländerfeindlichkeit in dieser Generation möglichst vorzubeugen.
Der frühbeginnende Fremdsprachenunterricht nutzt die ausgeprägte
Bereitschaft der Grundschulkinder zum Hinhören, Imitieren und Reagieren,
die beste Voraussetzungen für einen unbefangenen Einstieg bietet.
In der Grundschule werden den Kindern Erlebnisse in der fremden Sprache
vermittelt, die sie an den weiterführenden Schulen so nicht mehr erfahren
können, weil andere Aspekte der Fremdsprachenvermittlung in den Vordergrund
treten.
2. Ziele des Faches:
Aus dem oben Gesagten ist eine dreifache Zielsetzung
des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule erkennbar: a)
Sprachliche Ziele:
Er vermittelt den Kindern Fertigkeiten, die es ihnen ermöglichen,
mit dieser Sprache handelnd umgehen zu können. b)
Erziehliche Ziele: Er hat einen wichtigen
erziehlichen Auftrag zu erfüllen: Alles Fremde in der Umwelt des Kindes
soll als etwas Normales erkannt und akzeptiert werden. c)
Motivationale Ziele: Er baut beim Kind eine
starke Motivation auf, die es ihm ermöglichen soll, sich über
einen wesentlich längeren Zeitraum als bisher mit dem Erlernen von
Fremdsprachen zu beschäftigen.
a) Sprachliche Ziele: Die
sprachlichen Ziele liegen schwerpunktmäßig im Hörverstehen
und Sprechen. Ein so weit wie möglich einsprachig geführter Unterricht
gibt den Kindern viele Gelegenheiten, sich intensiv in die neue Sprache
einzuhören und sie global zu verstehen. Neben der Schulung des Hörverstehens
und des imitativen Sprechens wird im Unterricht in Aktionseinheiten elementares
reproduktives Sprechen angebahnt. Es hat sich herausgestellt, daß
viele Kinder auf das Schriftbild nicht verzichten wollen. Daher wird den
Schülern das Schriftbild nicht vorenthalten, sondern als optische
Hilfe eingesetzt. Eine systematische Schulung im Lesen und Schreiben ist
jedoch nicht vorgesehen. Dies zeigt sich auch darin, daß in Bayern
der Fremdsprachenunterricht ohne Lehrwerk (Schulbücher) gestaltet
wird.
b) Erziehliche
Ziele: Gerade dadurch, daß der Nützlichkeitsgedanke
beim Fremdsprachenlernen in der Grundschule nicht so stark in den Vordergrund
treten soll, wird die Einstellung beim Kind gefördert, daß das
Fremde etwas Normales ist, mit dem es im Alltag umgeht, ohne es ganz zu
verstehen. Die bewußte Darstellung der fremden Kultur, des Alltagslebens
- kurzum die landeskundliche Unterweisung in den weiterführenden Schulen
- kann dann eine neue Qualität bekommen, wenn das Grundschulkind unbefangen
Lieder, Reime, Spiele und Geschichten aus fremden Ländern wie selbstverständlich
singt, spricht, spielt und hört.
c) Motivationale Ziele: Gerade
die Freude am handelnden Umgang mit der fremden Sprache in entspannter
Atmosphäre, das spielerische Erleben einer fremdsprachlichen Kinderwelt
soll dazu beitragen, daß das Kind sich beim Übertritt in die
weiterführenden Schulen wünscht, Sprachen fundiert zu lernen.
Dadurch soll es fähig sein, den Leistungsanforderungen eher standzuhalten
und Lernbereitschaft über einen längeren Zeitraum zu zeigen.
3. Inhalte und Methoden des Faches:
Die Schüler begegnen der fremden Kinderwelt
anhand authentischer Materialien: Bilder- und Kinderbücher,
Lieder, Tänze und Spiele aller Art, Beispiele aus Malerei und Musik,
Filme, Kindersendungen im Hörfunk und Fernsehen, ausgewählte
Gegenstände aus dem fremden Land. Diese Materialien werden verschiedenen
Themenbereichen zugeordnet, wie zB. "Körper, Kleidung,
Befinden", "Essen und Trinken", "Familie und Freunde",
"Haus und Wohnung", "Schule", "Natur", "Einkaufen",
"Freizeit", "Reiseland England (oder Frankreich / Italien)"
usw. Die Beschäftigung mit den Materialien erfolgt in Aktionseinheiten
, in denen sich das Sprechen des Lehrers und der Schüler in der fremden
Sprache mit abwechslungsreichen Tätigkeiten verbindet, wie zB. Klatschen,
Hüpfen, Gebärden, Bewegungs-, Sing- und Tanzspielen, Kreis- und
Gesellschaftsspielen, mit Rollenspielen und szenischen Gestaltungen von
Handlungen, Bastelarbeiten usw. Ziel einer solchen Vorgehensweise ist es,
ganzheitliches Lernen zu ermöglichen und ein gutes Lernklima
aufzubauen.
Text u. Gestaltung:
R. Volk, Lehrer