fabian hofmann KUNSTFORUM



william Turner

fh   Hin- und hergerissen zwischen der traditionellen Malerei und neuen Möglichkeiten des Ausdrucks setzt William Turner einen Stein auf dem Weg zur Moderne. Seine Landschaften zeigen den Willen zum Neuen, aber auch die Verbundenheit zum Bestehenden.

fh   William Turner zweifelt anfangs an der Ausbildung der traditionellen Kunstakademien, lernt dann aber doch dort und wird Professor für Perspektive. Wenig später gibt er diesen Posten auf, da er stets als zu unzeitgemäß kritisiert wird. Er versucht nun sein Glück mit einer Gravurmanufaktur, in der er mit ungefähr 20 Mitarbeitern Graphiken für englische Adlige anfertige, die vor allem ihre Landsitze verewigt sehen wollen. Auf diese Weise reist er häufig und Tausende Skizzen sind uns von diesen Touren erhalten. In seinen frühen Bildern orientiert er sich vor allem an den holländischen Meistern wie beispielsweise Rembrandt, aber auch an Tizian und Claude Lorrain, später tritt aber die Farbe stärker in den Vordergrund, die Formen des Motivs werden aufgelöst.

fh   Die Farbe als wichtigstes Mittel erhält bei Turner eigene Ausdruckskraft, eigenen Wert. Ausführlich hatte er sich mit Farbtheorien beschäftigt und erkannt, daß die Pigmentmischung weit weniger leuchtend ist als die Farblichtmischung bei der Betrachtung. So verleiht er den Farben durch verschiedenfarbige, nebeneinander liegende Flecken und Streifen eine unglaubliche Leuchtkraft. Dafür verwendet Turner keine unbunten oder Erdfarben, sondern lebhafte Farben und viel Weiß. Hell/Dunkel erzeugt er nicht durch Schwarz und Weiß, sondern durch Gelb und Blau.

fh   In seinen Bildern ist keine Komposition erkennbar, kaum klare Linien und keine starke Fluchtpunktperspektive, doch schafft Turner durch Farbperspektive einen klaren Bildraum. Die Farbe stuft den Raum einerseits durch bildparallele, streifenartige Schichtung nach hinten ab, zum anderen erzeugt sie durch kreisförmige, spiralige Bewegung einen wahren Tiefensog. Die tiefsten Stellen seiner Bilder sind jenen mit den schärfsten Kontrasten, vor allem Gelb/Blau und Violett/Orange.

fh   Turner löst die Konturen der Objekte völlig auf, schafft durch Zerstörung der Materie eine völlig grenzenlose Welt. Er malt nicht nach der Natur, sondern wie die Natur. Die Farbe seiner Bilder folgt nicht der Form sie erzeugt sie. Für ihn war klar, daß die Linie den Verstand anspricht, die Farbe aber die Sinne.

fh   So ist auch der Farbauftrag weniger streng, sondern sehr ausdrucksbetont. Turner trägt Farbe verschieden dicht auf, mit Spachtel, als Lasur, er verreibt sie, kratzt sie mit dem Pinselstiel ab - wichtig ist nicht feine handwerkliche Arbeit, sondern der Ausdruck mit Farbe. Seine Bilder zeigen die grenzenlose Welt, wie sie in der Romantik gesucht wird, zeigen die Landschaft als Licht und Luftphänomen, Licht und Atmosphärenerscheinungen und immer wieder Stürme, geisterhafte Nebelschwaden und aufgewühlte See. Dramatische Naturmomente sind seine liebsten Motive. Aber man entdeckt in seinen Werken auch immer etwas Mythologie, und auch die zeitgenössische Technik ist immer wieder abgebildet.

fh   Turner fertigte viele Ölgemälde an, aber auch eine große Anzahl von Skizzen und Aquarellen. Insgesamt sind uns über 20.000 Werke erhalten, darunter:
"Schneesturm auf dem Meer", 1842. Öl auf Leinwand, 91,5 x 122 cm ...Vollbild
"The Dogana and Santa Maria della Salute, Venice" ... Washington D.C., National Gallery of Art Vollbild
"Regen, Dampf und Geschwindigkeit. Die große westliche Eisenbahn"...
"Keelmen Heaving in Coals by Moonlight" ... Washington D.C., National Gallery of Art Vollbild
"Die 'Fighting Téméraire' wird zum Abwracken an ihren letzten Ankerplatz geschleppt"...
"Schneesturm: Dampfboot vor einer Hafeneinfahrt"...
"Norham Castle, Sonnenaufgang", 1835-1840. Öl auf Leinwand, 91 x 122 cm. London, Tate Gallery.
"Landscape with distant river and bay", ... Öl auf Leinwand, 94 x 124 cm. Paris, Musée du Louvre Vollbild


Text: Fabian Hofmann - email f-hofmann@geocities.com - http://did.mat.uni-bayreuth.de/~rwg/homepages/fabian
Quellen: Kunstunterricht LK Kunst Bayern (Kunsterzieher Rüdiger Bethe), Kammerlohr: Epochen der Kunst





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