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Der klassische Beweis aus den Elementen des Euklid darf natürlich nicht
fehlen. Die Beweisfigur ist einem Euklid-Kommentar des bereits
erwähnten Tabit ibn
Qurra entnommen, der in Bagdad wirkte.
Solchen arabischen Übersetzungen verdanken wir zahlreiche Kenntnisse über Werke
der antiken griechischen Mathematik, deren Originale bzw. deren Abschriften in
der Originalsprache verschollen sind. Denn in der Spätantike und in der
byzantinischen Epoche wurden nahezu nur solche Schriften vervielfältigt,
die in den höheren Lehranstalten von Alexandria, Athen und Byzanz Verwendung
fanden. Die Auswahl der überlieferten Werke erfolgte somit nach pädagogischen
Kriterien. Das große wissenschaftliche Interesse der Araber im ausgehenden
achten und neunten Jahrhundert bewahrte glücklicherweise viele Manuskripte
mit anspruchsvoller Mathematik vor der Vergessenheit, da in dieser Zeit
Hunderte von Schriften aus allen Wissenschaften ins Arabische übersetzt
und zum Teil mit Kommentaren versehen wurden. Als dann in der
Renaissance das Interesse an der antiken griechischen Mathematik wieder
aufflammte, konnte man auf erhaltene arabische Manuskripte zurückgreifen.
Betrachten wir die Beweisfigur zum Pythagoras genauer. Entscheidend sind die
beiden Dreiecke ACD und CHF.
Man kann sich leicht überlegen, dass diese beiden
Dreiecke flächengleich sind. Damit ist auch die Flächengleichheit des
Kathetenquadrats über [AC] und des Rechtecks CFGH klar. Analoge
Überlegungen am Kathetenquadrat über [AB] vervollständigen den
Nachweis.
Ausführliche Darstellung des Beweises (vgl. Elemente des Euklid, S. 32):
-
- Sei ABC ein rechtwinkliges Dreieck mit dem rechten
Winkel
.
Über [BC] konstruieren wir das
Quadrat BDEC, über [BA] bzw. [AC] die
Quadrate BAGF bzw. ACKH. Durch A zeichnen wir die Parallele
AL zu BD und verbinden die Punkte A und D sowie F und
C.
Wegen
ist
[AG] die Verlängerung von [CA],
und aus
folgt:
.
Da außerdem
und
ist, gilt:
Aufgrund von Proposition 41 haben wir die Gleichungen:
Daher gilt:
 |
= |
 |
(1.1) |
Analog zeigen wir, dass
 |
= |
 |
(1.2) |
Aus (3.1) und (3.2) folgt die Behauptung. 
Anmerkung:
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Matthias Ehmann
1998-07-09