Didaktische Bemerkungen zu GEONET und zum Unterrichten mit Internet
Wir haben dynamische Geometrie
internetfähig gemacht, weil sie
- -
- dadurch universell einsetzbar wird:
Sie kann von jedem am eigenen PC
nachvollzogen werden. Sie ist sowohl online (mit Internet-Anschluß) als
auch offline (ohne Netz) einsetzbar. Man kann
sie in die Schule mitnehmen, sich mit Kollegen oder anderen Schulen
austauschen. Es ist keine spezielle Software mehr nötig und es gibt keine
Kompatibilitätsprobleme. Sie wird für interessierte Lehrer und Schüler kostenlos zur
Verfügung gestellt.
- -
- auch sehr individuell nutzbar ist:
Sie selbst können jetzt in das Programm
(etwa in das erstellte Arbeitsblatt)
eingreifen, um Ergänzungen oder Änderungen vorzunehmen. Zu bestimmten
Themenbereichen lassen sich
Querverweise oder Querverbindungen (etwa auch zu anderen
Schulfächern) herstellen. Man hat
damit jetzt die Möglichkeit, für Geometrie auf elektronische Art eigene Seiten (Unterrichtsvorbereitungen,
Arbeitsblätter für Schüler usw.) zu erstellen, und diese - so wie man es für
richtig und nötig erachtet - für Schüler oder Kollegen zugänglich
zu machen. Unterschied zu "herkömmlicher" dynamischer Geometrie-Software:
Verbindung von Programm und geschriebenem Text.
Denkt man diesen Ansatz der Bereitstellung von Geometrie im Internet
weiter, so kann das zum Verfassen eines eigenen interaktiven Geometrie-Skripts
(oder -Buches) führen, das alle oben erwähnten vorteilhaften
Möglichkeiten der Nutzung bietet.
- Autonomere Formen des Unterrichts.
Schüler werden in zunehmendem
Maß zu selbständigem Arbeiten gezwungen. Beispiel: Arbeiten an
(elektronischen) Arbeitsblättern (Beispiele: Arbeitsblatt
Vierecke
oder
Zirkelstationen)
. Schüler nehmen dabei
nicht länger den Stoff passiv auf oder vollziehen gestellte Aufgaben so nach,
wie der Lehrer (oder ein Mitschüler) sie ihnen serviert,
sondern arbeiten eigenverantwortlich und selbständig.
- Projekt- und handlungorientierter Unterricht.
Gruppenarbeit und fächerübergreifendes Lernen gewinnen an Bedeutung.
Beispiel: Information über die geschichtlichen, physikalischen und
philosophischen Hintergründe (etwa bei der Behandlung des
Satzes von Thales
).
- Mitgestalten des eigenen Lernprozesses.
Die Schüler nutzen das ``Werkzeug'' WWW. Beispiele:
Die Unterrichtsform
materialgeleitete Freiarbeit . Dabei sind auch Schüler für die Beschaffung
von Material (Information) zuständig.
Ein aktives Auseinandersetzen mit neuem Unterrichtsstoff (z.B. mittels
Lernen durch
Lehren
)
läßt sich durch die Möglichkeit der Präsentation am
Computer gut verwirklichen. Dabei wird auch die Kreativität der Schüler
geweckt.
Pädagogische und didaktische Aspekte gewinnen an Bedeutung. Der Lehrer
wird zunehmend Projektmanager, Koordinator und Berater für einzelne
Schülerarbeitsgruppen. Rückgang der Unterrichtsform ``Frontalunterricht'' mit
dem Lehrer als Wissensvermittler zu Gunsten der Nutzung der neuen
Unterrichtsmedien. Lehrer sind damit vor allen tätig als Vorbereiter, Planer
und Lenker des Einsatzes dieses neuen Mediums ``Internet'' sowie beim
Zusammenfassen und Auswerten der erzielten Ergebnisse.
Zitat aus dem Buch Bildung und
Mathematik von A. Wittenberg, geschrieben zu einer Zeit, als es noch keine
Computer in der Schule gab und man das Internet noch nicht kannte.
All die oben angegebenen Nutzungsmöglichkeiten des neuen Mediums Internet
stellen insgesamt höhere Anforderungen an die Schüler und wecken seine
Kreativtät und sein Problembewußtsein. Auch in Zukunft wird man nicht immer
in der Schule das Internet einsetzen. Es bietet jedoch Schülern die Chance, sich in
Mathematik (speziell in Geometrie) einen Überblick zu verschaffen, d.h. auch
allgemeinbildende Aspekte werden stärker betont. Schüler und Lehrer können
so gemeinsam durch Einsatz dieses neuen Mediums und Änderung der Unterrichtsform
auf die Vorwürfe aus der
TIMSS-Studie
gegen deutschen Mathematikunterricht
(schlechtes Abschneiden der Schüler in allen Schularten im internationalen
Vergleich) angemessen und wirkungvoll reagieren.
Zurück zur Homepage von
Wolfgang.Neidhardt@uni-bayreuth.de